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Recht & Finanzen

Kalkulation

KalkulationDie systematische Berechnung aller Kosten eines Auftrags als Grundlage für Angebotspreise

2 Min. Lesezeit

Was ist eine Kalkulation?

Die Kalkulation ist die systematische Ermittlung aller Kosten, die bei der Ausführung eines Auftrags anfallen. Sie bildet die Grundlage für die Preisfindung und ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Handwerksbetriebs. Ohne saubere Kalkulation kalkuliert man „aus dem Bauch" — und verschenkt regelmäßig Geld.

Kalkulationsschema im Handwerk

Das klassische Schema folgt einer festen Reihenfolge von den Selbstkosten bis zum Endpreis:

StufeKostenartBeispiel
1MaterialeinzelkostenFliesen, Kleber, Fugenmörtel
2+ MaterialgemeinkostenVerschnitt, Kleinteile (5–10 %)
3= Materialkosten
4LohneinzelkostenProduktivstunden × Stundenlohn
5+ LohngemeinkostenUrlaub, Krankheit, Schulung
6= Lohnkosten
7+ GemeinkostenMiete, Fahrzeug, Verwaltung
8= Selbstkosten
9+ Gewinnzuschlag10–20 %
10= Angebotspreis (netto)
11+ MwSt. (19 %)
12= Endpreis (brutto)

Kalkulationsmethoden

1. Zuschlagskalkulation

Die im Handwerk am häufigsten verwendete Methode. Auf die Einzelkosten (Material + Lohn) werden prozentuale Zuschläge für Gemeinkosten und Gewinn aufgeschlagen. Vorteil: einfach und bewährt.

2. Stundensatzberechnung

Alle Kosten des Betriebs werden auf die verkaufbaren Produktivstunden umgelegt. Ergebnis ist ein Stundenverrechnungssatz (z.B. 65 €/h), der alle Kosten decken und Gewinn erwirtschaften soll.

3. Deckungsbeitragsrechnung

Unterscheidet zwischen fixen und variablen Kosten. Solange ein Auftrag mehr als die variablen Kosten einbringt, leistet er einen „Deckungsbeitrag" zu den Fixkosten. Nützlich bei schwacher Auftragslage.

Praxisbeispiel: Fliesenleger-Auftrag

Bad fliesen, 15 m² Wand + 8 m² Boden:

PositionBerechnungBetrag
Fliesen (23 m² × 35 €/m²)Material805 €
Kleber, Fugenmörtel, SilikonMaterial120 €
Verschnitt + Kleinmaterial (8 %)Materialzuschlag74 €
Materialkosten999 €
Arbeitszeit (16 h × 22 €/h Bruttolohn)Lohn352 €
Lohnnebenkosten (80 %)Lohnzuschlag282 €
Lohnkosten634 €
Gemeinkosten (35 % auf Lohn)GKZ222 €
Selbstkosten1.855 €
Gewinn (15 %)278 €
Angebotspreis netto2.133 €
MwSt. (19 %)405 €
Endpreis brutto2.538 €

Die 5 häufigsten Kalkulationsfehler

  1. Materialverschnitt nicht eingerechnet — je nach Gewerk 5–15 % Aufschlag nötig
  2. Anfahrt und Rüstzeit vergessen — unproduktive Stunden kosten trotzdem Geld
  3. Lohnnebenkosten zu niedrig angesetzt — der echte Zuschlag beträgt 70–100 %
  4. Keinen Gewinn kalkuliert — Selbstkosten decken ≠ Gewinn machen
  5. Nachträge nicht berechnet — Zusatzleistungen sofort schriftlich vereinbaren
👷‍♂️

Meister-Tipp

Die beste Kalkulation ist wertlos, wenn Sie Nachträge nicht berechnen. Der Klassiker: "Können Sie noch schnell…?" — und dann fliesen Sie eine Nische, die nicht im Angebot steht, gratis mit. Mein Tipp: Machen Sie einen klaren Schnitt. Alles, was nicht im Angebot steht, wird als Nachtrag berechnet. Schreiben Sie direkt auf der Baustelle ein kurzes Nachtragsangebot per Handy. Das ist kein Geiz, das ist Professionalität.
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Häufige Fragen zu Kalkulation

Was ist eine Kalkulation?
Eine Kalkulation ist die systematische Berechnung aller Kosten eines Auftrags als Grundlage für Angebotspreise. Für Handwerksbetriebe und Auftraggeber ist das Verständnis von Kalkulation essentiell, um rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren.
Was kostet eine Kalkulation?
Die Kosten für eine Kalkulation hängen von Material, Umfang und regionalen Preisunterschieden ab. Für eine genaue Kalkulation empfiehlt sich ein Kostenvoranschlag vom Fachbetrieb. Privatkunden können die Arbeitskosten ggf. als Handwerkerleistung steuerlich absetzen.
Worauf muss man bei Kalkulation achten?
Bei Kalkulation sollte auf fachgerechte Ausführung, Einhaltung der geltenden Normen und Verwendung qualitativ hochwertiger Materialien geachtet werden. Es empfiehlt sich, einen qualifizierten Fachbetrieb zu beauftragen und Angebote zu vergleichen. Dokumentieren Sie alle Arbeiten für eventuelle Gewährleistungsansprüche.
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