Zuschlagskalkulation
Zuschlagskalkulation – Kalkulationsverfahren, bei dem auf die Einzelkosten prozentuale Zuschläge für Gemeinkosten und Gewinn aufgeschlagen werden
Was ist die Zuschlagskalkulation?
Die Zuschlagskalkulation ist das im Handwerk am weitesten verbreitete Kalkulationsverfahren. Das Prinzip: Die direkt zuordenbaren Kosten eines Auftrags (Einzelkosten) werden ermittelt, anschließend werden prozentuale Zuschläge für nicht direkt zuordenbare Kosten (Gemeinkosten), Wagnis und Gewinn aufgeschlagen. Das Ergebnis ist der kalkulierte Angebotspreis.
Schema der Zuschlagskalkulation
| Schritt | Position | Formel |
|---|---|---|
| 1 | Materialeinzelkosten (MEK) | direkt ermitteln |
| 2 | + Materialgemeinkosten (MGK) | MEK × MGK-Zuschlag |
| 3 | = Materialkosten | |
| 4 | Fertigungseinzelkosten (FEK) | Stunden × Stundenlohn |
| 5 | + Fertigungsgemeinkosten (FGK) | FEK × FGK-Zuschlag |
| 6 | = Fertigungskosten | |
| 7 | = Herstellkosten | Material + Fertigung |
| 8 | + Verwaltungs- & Vertriebsgemeinkosten | HK × VwVt-Zuschlag |
| 9 | = Selbstkosten | |
| 10 | + Wagnis & Gewinn | SK × W&G-Zuschlag |
| 11 | = Angebotspreis (netto) |
Zuschlagssätze berechnen
Materialgemeinkosten-Zuschlag (MGK)
Deckt Lagerkosten, Schwund, Verpackung, Disposition.
MGK-Zuschlag = (Materialgemeinkosten ÷ Materialeinzelkosten) × 100
Üblich im Handwerk: 5–15 %
Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag (FGK)
Deckt unproduktive Zeiten, Werkzeugverschleiß, Meisterlohn.
FGK-Zuschlag = (Fertigungsgemeinkosten ÷ Fertigungseinzelkosten) × 100
Üblich im Handwerk: 60–120 % (inkl. Lohnnebenkosten und unproduktive Zeiten)
Verwaltungs- und Vertriebskosten (VwVt)
Deckt Büro, Buchhaltung, Akquise, Marketing.
Üblich: 10–20 % auf die Herstellkosten
Praxisbeispiel: Elektrikerauftrag
Zählerschrank tauschen – Kalkulation mit Zuschlägen:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Materialeinzelkosten (Zählerschrank, Automaten, Kabel) | 680 € |
| + MGK-Zuschlag (10 %) | 68 € |
| = Materialkosten | 748 € |
| Fertigungseinzelkosten (12 h × 20 € Bruttolohn) | 240 € |
| + FGK-Zuschlag (90 %) | 216 € |
| = Fertigungskosten | 456 € |
| = Herstellkosten | 1.204 € |
| + VwVt-Zuschlag (15 %) | 181 € |
| = Selbstkosten | 1.385 € |
| + Wagnis & Gewinn (12 %) | 166 € |
| = Angebotspreis netto | 1.551 € |
| + MwSt. 19 % | 295 € |
| = Endpreis brutto | 1.846 € |
Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Einfach und praxiserprobt | Zuschlagssätze müssen regelmäßig überprüft werden |
| In jedem Handwerk anwendbar | Veränderte Auftragsstruktur kann Zuschläge verzerren |
| Nachvollziehbar für Kunden | Bei starker Schwankung der Gemeinkosten ungenau |
| Basis für VOB-Kalkulation | Quersubventionierung zwischen Aufträgen möglich |
Unterschied: Einstufig vs. Mehrstufig
- Einstufig: Ein einziger Gemeinkostenzuschlag auf alle Einzelkosten — einfach, aber ungenau
- Mehrstufig: Getrennte Zuschläge für Material, Fertigung, Verwaltung (wie oben) — genauer und im Handwerk Standard