Kalkulation
Kalkulation – Die systematische Berechnung aller Kosten eines Auftrags als Grundlage für Angebotspreise
Was ist eine Kalkulation?
Die Kalkulation ist die systematische Ermittlung aller Kosten, die bei der Ausführung eines Auftrags anfallen. Sie bildet die Grundlage für die Preisfindung und ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Handwerksbetriebs. Ohne saubere Kalkulation kalkuliert man „aus dem Bauch" — und verschenkt regelmäßig Geld.
Kalkulationsschema im Handwerk
Das klassische Schema folgt einer festen Reihenfolge von den Selbstkosten bis zum Endpreis:
| Stufe | Kostenart | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Materialeinzelkosten | Fliesen, Kleber, Fugenmörtel |
| 2 | + Materialgemeinkosten | Verschnitt, Kleinteile (5–10 %) |
| 3 | = Materialkosten | |
| 4 | Lohneinzelkosten | Produktivstunden × Stundenlohn |
| 5 | + Lohngemeinkosten | Urlaub, Krankheit, Schulung |
| 6 | = Lohnkosten | |
| 7 | + Gemeinkosten | Miete, Fahrzeug, Verwaltung |
| 8 | = Selbstkosten | |
| 9 | + Gewinnzuschlag | 10–20 % |
| 10 | = Angebotspreis (netto) | |
| 11 | + MwSt. (19 %) | |
| 12 | = Endpreis (brutto) |
Kalkulationsmethoden
1. Zuschlagskalkulation
Die im Handwerk am häufigsten verwendete Methode. Auf die Einzelkosten (Material + Lohn) werden prozentuale Zuschläge für Gemeinkosten und Gewinn aufgeschlagen. Vorteil: einfach und bewährt.
2. Stundensatzberechnung
Alle Kosten des Betriebs werden auf die verkaufbaren Produktivstunden umgelegt. Ergebnis ist ein Stundenverrechnungssatz (z.B. 65 €/h), der alle Kosten decken und Gewinn erwirtschaften soll.
3. Deckungsbeitragsrechnung
Unterscheidet zwischen fixen und variablen Kosten. Solange ein Auftrag mehr als die variablen Kosten einbringt, leistet er einen „Deckungsbeitrag" zu den Fixkosten. Nützlich bei schwacher Auftragslage.
Praxisbeispiel: Fliesenleger-Auftrag
Bad fliesen, 15 m² Wand + 8 m² Boden:
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Fliesen (23 m² × 35 €/m²) | Material | 805 € |
| Kleber, Fugenmörtel, Silikon | Material | 120 € |
| Verschnitt + Kleinmaterial (8 %) | Materialzuschlag | 74 € |
| Materialkosten | 999 € | |
| Arbeitszeit (16 h × 22 €/h Bruttolohn) | Lohn | 352 € |
| Lohnnebenkosten (80 %) | Lohnzuschlag | 282 € |
| Lohnkosten | 634 € | |
| Gemeinkosten (35 % auf Lohn) | GKZ | 222 € |
| Selbstkosten | 1.855 € | |
| Gewinn (15 %) | 278 € | |
| Angebotspreis netto | 2.133 € | |
| MwSt. (19 %) | 405 € | |
| Endpreis brutto | 2.538 € |
Die 5 häufigsten Kalkulationsfehler
- Materialverschnitt nicht eingerechnet — je nach Gewerk 5–15 % Aufschlag nötig
- Anfahrt und Rüstzeit vergessen — unproduktive Stunden kosten trotzdem Geld
- Lohnnebenkosten zu niedrig angesetzt — der echte Zuschlag beträgt 70–100 %
- Keinen Gewinn kalkuliert — Selbstkosten decken ≠ Gewinn machen
- Nachträge nicht berechnet — Zusatzleistungen sofort schriftlich vereinbaren