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Trockenbau

Brandschutzwand (Trockenbau)

Brandschutzwand (Trockenbau)Trockenbau-Wand mit geprüfter Feuerwiderstandsdauer zum baulichen Brandschutz – von F30/EI30 bis F120/EI120, errichtet nach Systemzulassung

3 Min. Lesezeit

Was ist eine Brandschutzwand im Trockenbau?

Eine Brandschutzwand im Trockenbau ist eine Wand aus Metallständerwerk und speziellen Feuerschutz-PROTECTED_1, die einem Brand für eine geprüfte Zeit standhält. Sie ist leichter und schneller errichtet als eine Massivwand und erreicht bei korrekter, systemtreuer Ausführung dieselben Schutzziele.

Wichtig für Planung und Abrechnung: „Brandschutzwand" ist der Oberbegriff für Wände mit Feuerwiderstand. Davon zu unterscheiden ist die Brandwand im baurechtlichen Sinn (§ 30 Musterbauordnung) – dazu unten mehr.

Feuerwiderstandsklassen: F (DIN 4102) und EI (EN 13501-2)

In Deutschland laufen zwei Klassifizierungssysteme parallel – die alte nationale DIN 4102-2 (F-Klassen) und die europäische DIN EN 13501-2 (Leistungskriterien R/E/I):

KriteriumBedeutung
R (Résistance)Tragfähigkeit unter Brand
E (Étanchéité)Raumabschluss – kein Durchtritt von Flammen/heißen Gasen
I (Isolation)Wärmedämmung – Temperaturanstieg auf der Rückseite begrenzt (Ø ≤ 140 K)
DIN 4102EN 13501-2 (nichttragend)Bauaufsichtliche Benennung
F30EI 30feuerhemmend
F60EI 60hochfeuerhemmend
F90EI 90feuerbeständig
F120EI 120feuerbeständig (erhöht)
F90-A+MEI 90-M (REI 90-M tragend)Brandwand

Die EN-Klassifizierung kennt zudem mehr Zeitstufen (15/20/30/45/60/90/120/180/240 Minuten). Neue Systemnachweise der Hersteller werden überwiegend nach EN 13501-2 klassifiziert – in Ausschreibungen tauchen daher zunehmend EI-Klassen auf, während die Landesbauordnungen mit den Begriffen „feuerhemmend/feuerbeständig" arbeiten. Eine Übersicht der Normen bietet BauNetz Wissen Brandschutz.

Brandschutzwand vs. Brandwand: der entscheidende Unterschied

MerkmalF90/EI90-TrennwandBrandwand (F90-A+M / EI 90-M)
Feuerwiderstand90 Minuten90 Minuten
BaustoffeA oder B (je nach System)Nur nichtbrennbar (Klasse A)
Stoßbeanspruchung (M)Nicht gefordertMuss 3 × 3.000 Nm Pendelstoß überstehen
Trockenbau-AusführungStandard-SystemwandSystemwand mit Stahlblecheinlage (0,5–1 mm) zwischen den Plattenlagen, meist 3-lagig
EinsatzWohnungstrennwand, FlurwandGebäudeabschluss, Brandabschnitte (alle 40 m), Grenzbebauung
RechtsgrundlageLBO/MBO §§ 27–29MBO § 30

Nichttragende innere Brandwände dürfen in Trockenbauweise ausgeführt werden – die Systeme der Hersteller (z. B. mit durchgehender Stahlblecheinlage) sind dafür geprüft. Die Anforderungen stehen in der Musterbauordnung (MBO) und der jeweiligen Landesbauordnung.

Wo sind Brandschutzwände Pflicht?

BereichTypische AnforderungRechtsgrundlage
Wohnungstrennwand (MFH)F90 / EI 90LBO (§ 29 MBO)
TreppenraumwandF90 / EI 90 (GK 4–5: Bauart Brandwand)LBO (§ 35 MBO)
Notwendiger FlurF30 / EI 30LBO (§ 36 MBO)
HeizungsraumF90 / EI 90Feuerungsverordnung
AufzugsschachtF90 / EI 90LBO (§ 39 MBO)
Kellertrennwand (MFH)F90 / EI 90LBO
InstallationsschachtF90 / I90-SchachtwandLBO / MLAR
Gebäudeabschluss/BrandabschnittBrandwand (F90-A+M)§ 30 MBO

Die konkrete Anforderung hängt von der Gebäudeklasse (GK 1–5) ab: Je höher das Gebäude und je mehr Nutzungseinheiten, desto strenger. Verbindlich ist immer der Brandschutznachweis des Objekts – nicht die Tabelle aus dem Internet.

Systemaufbauten im Detail

KlasseTypischer Aufbau (Beispiel)WanddickeGewicht/m²
F30 / EI 301× GKF 12,5 je Seite + CW 50ca. 7,5–10 cmca. 25 kg
F60 / EI 602× GKF 12,5 je Seite + CW 75ca. 12,5–15 cmca. 45 kg
F90 / EI 902× GKF 12,5–15 je Seite + CW 100 + Mineralwolleca. 15–18 cmca. 55 kg
F120 / EI 1203-lagig oder Spezialplattenca. 18–22 cmca. 70 kg
Brandwand EI 90-M3× Platte je Seite + Stahlblech 0,5 mm zwischen den Lagenca. 20–25 cmca. 90 kg

GKF = Gipskarton-Feuerschutzplatte (DIN 18180 Typ DF, rosa) · CW = C-Wandprofil · Aufbauten sind Beispielwerte – verbindlich ist ausschließlich der geprüfte Systemaufbau des Herstellers (z. B. Knauf W11-Reihe, Rigips, Siniat, Fermacell mit Gipsfaserplatten).

Nachweise: abP, abZ und Systemtreue

Brandschutzwände sind geregelte Bauarten mit Verwendbarkeitsnachweis:

  • abP (allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis) – üblich für nichttragende Trennwände
  • abZ/aBG (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung/Bauartgenehmigung) – bei Sonderkonstruktionen
  • Fachunternehmererklärung – bestätigt die zulassungskonforme Ausführung gegenüber Bauherr/Behörde

Systemtreue ist Pflicht: Platten, Profile, Schrauben, Dämmung und Spachtel müssen dem geprüften System entsprechen. Wer Komponenten mischt („Platten von A, Profile von B"), verliert den Nachweis – und haftet im Schadensfall persönlich. Die Systemnachweise stellen die Hersteller online bereit (z. B. Knauf Brandschutz, Rigips Brandschutz).

Aufbau Schritt für Schritt (F90/EI90)

SchrittAusführungKritischer Punkt
1. UW-Profile setzenBoden + Decke, mit DichtbandLückenloses Anschluss-Dichtband
2. CW-Profile stellenAchsabstand max. 62,5 cmExakter Achsabstand nach System
3. 1. Lage GKF Seite AVersetzt schraubenSchnellbauschrauben, Abstand ≤ 25 cm
4. PROTECTED_8 einlegenVollflächig, Rohdichte/Schmelzpunkt nach SystemA1, Schmelzpunkt ≥ 1.000 °C – kein EPS!
5. 1. Lage GKF Seite BGegenüberliegendFugenversatz zur Seite A
6. 2. Lage GKF beide SeitenVersetzt zur 1. LageFugenversatz ≥ 40 cm, Kreuzfugen vermeiden
7. Fugen spachtelnAuch die untere Lage!Vollfugig, nach Systemvorgabe
8. Anschlüsse abdichtenBrandschutz-Acryl/SpachtelWand/Decke/Boden lückenlos
9. Durchdringungen abschottenZugelassene SchottsJede einzelne Durchführung
10. DokumentierenFotos + FachunternehmererklärungFür Abnahme und Haftung

Deckenanschluss: das unterschätzte Detail

Bei Rohdecken mit Durchbiegung braucht die Wand einen gleitenden Deckenanschluss, der Bewegungen aufnimmt, ohne den Raumabschluss zu verlieren – sonst reißen die oberen Fugen oder die Wand wird durch Deckenlast gestaucht. Hohe Wände (> 3 m je nach System) erfordern verstärkte Profile oder geringere Achsabstände – Werte stehen im Systemnachweis.

Türen, Verglasungen, Installationen

EinbauAnforderungHinweis
TürenT30/T90- bzw. EI₂30-C/EI₂90-C-TürelementeZulassung muss Einbau in leichte Trennwand abdecken
VerglasungenF-/EI-Verglasung oder G-VerglasungNur als geprüftes Element mit Rahmen
SteckdosenBrandschutzdosen oder HinterfütterungNie Rücken an Rücken im selben Gefach
Kabel/RohreZugelassene AbschottungMischinstallationen nur mit Kombischott
LastenKonsolen/Traversen nach SystemWaschbecken & Co. nur mit geprüfter Befestigung

Trockenbau vs. Massivwand im Brandschutz

Kriterium[Trockenbau](/lexikon/trockenbau-begriff)-BrandschutzwandMassivwand (KS/Beton)
Bauzeit1–2 Tage/10 m²3–5 Tage/10 m²
Gewicht25–90 kg/m²150–300 kg/m²
StatikGeringe AnforderungenGgf. Deckenverstärkung nötig
Kosten F9080–130 €/m²90–150 €/m²
PROTECTED_12Rw 50–67 dB (bei Doppelständer)Rw 50–60 dB
FlexibilitätRückbaubar, Installationen im HohlraumPermanent, Schlitze fräsen
Brandwand möglich?Ja, als Systemwand mit StahlblecheinlageJa, klassisch

Kosten im Vergleich (Richtwerte 2026)

KlasseMaterial/m²Inkl. Montage/m²10 m² Gesamtkosten
Standardwand (kein BS)12–20 €40–60 €400–600 €
F30 / EI 3020–35 €50–80 €500–800 €
F60 / EI 6030–45 €65–100 €650–1.000 €
F90 / EI 9035–60 €80–130 €800–1.300 €
F120 / EI 12050–80 €100–170 €1.000–1.700 €
Brandwand (EI 90-M)60–100 €130–200 €1.300–2.000 €

Material und Mengen (Platten, Profile, Schrauben, Dämmung) für Ihre Wand können Sie mit dem Trockenbau-Rechner kalkulieren.

Häufige Fehler – und ihre Konsequenzen

FehlerFolgeNorm/Recht
Normale Schrauben statt SchnellbauschraubenPlatten lösen sich im BrandfallSystemnachweis verletzt
Leitungsdurchführung nicht abgeschottetF90 wirkungslos – Rauch/Feuer durchdringtMLAR / § 40 MBO
EPS statt Mineralwolle im HohlraumDämmung schmilzt und brenntDIN 4102/EN 13501 (Baustoffklasse)
Schraubenabstand > 25 cmPlatten klaffen im Brandfall aufSystemnachweis
Fugenversatz fehlt (Lagen übereinander)Wand versagt vorzeitigSystemnachweis
Untere Plattenlage nicht gespachteltRauchdurchtritt durch FugenSystemvorgabe
Steckdosen Rücken an RückenSchwachstelle im GefachSystemvorgabe
Komponenten gemischt („Systemmix")Verwendbarkeitsnachweis erlischtBauordnungsrecht
👷‍♂️

Meister-Tipp

Brandschutz ist kein Bereich für Kompromisse! Ich habe auf Baustellen schon Brandschutzwände gesehen, wo normale Schrauben statt Schnellbauschrauben verwendet wurden, oder wo Leitungsdurchführungen offen geblieben sind. Im Brandfall versagt die Wand dann nach 10 statt 90 Minuten. Mein Standard: Vor dem Schließen der zweiten Seite Fotos von jedem Gefach, jeder Dämmlage und jeder Abschottung – das ist in fünf Minuten erledigt und im Streitfall Gold wert. Jedes Detail zählt, und im Zweifel haftet der Ausführende persönlich.

Tipps für Auftraggeber

  • Brandschutznachweis vom Architekten/Planer einfordern – dort steht verbindlich, welche Klasse wo nötig ist
  • Fachunternehmererklärung und Systemdokumentation (abP-Nummer!) zur Abnahme verlangen
  • Nach Fertigstellung: Begehung aller Durchdringungen – das ist die häufigste Schwachstelle
  • Bei Umbauten im Bestand: Brandschutzanforderungen können sich ändern – kein Bestandsschutz bei wesentlichen Eingriffen, vorher Bauamt/Fachplaner fragen
  • Trockenbau-Brandschutzwand ist oft günstiger, leichter und schneller als die Massivwand – bei gleichem Schutzziel

Tipps für Handwerker

  • Nur nach Systemnachweis bauen – abP/abZ des Herstellers auf die Baustelle, Aufbau exakt einhalten
  • Durchdringungen sofort abschotten – „machen wir später" ist der Klassiker vor jedem Mangel
  • Fotodokumentation aller Lagen, Anschlüsse und Schotts – Ihr bester Haftungsschutz
  • Nur GKF/DF-Platten (rosa) verwenden – niemals GKB (grau); bei Feuchträumen GKFi
  • Mineralwolle: A1, Schmelzpunkt ≥ 1.000 °C, Rohdichte nach System – kein Baumarkt-Ersatz
  • Bedenkenanzeige stellen, wenn der Auftraggeber Abweichungen vom System verlangt
  • Bei Brandwänden (EI 90-M): Stahlblecheinlage und Anschlussdetails exakt nach Hersteller – hier prüft der Sachverständige besonders genau
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Häufige Fragen zu Brandschutzwand (Trockenbau)

Was bedeuten F30, F60 und F90 bei Brandschutzwänden?
Die Zahl gibt die Feuerwiderstandsdauer in Minuten an: F30 = 30 Minuten (feuerhemmend), F60 = 60 Minuten (hochfeuerhemmend), F90 = 90 Minuten (feuerbeständig). In dieser Zeit muss die Wand Raumabschluss und Tragfähigkeit behalten. Für Wohnungstrennwände ist meist F90 vorgeschrieben.
Was ist der Unterschied zwischen F90 und EI90?
F90 ist die deutsche Klassifizierung nach DIN 4102-2, EI90 die europäische nach DIN EN 13501-2. E steht für Raumabschluss, I für Wärmedämmung (Temperaturanstieg auf der feuerabgewandten Seite begrenzt). Inhaltlich sind F90 und EI90 für nichttragende Trennwände weitgehend gleichwertig; in neuen Zulassungen und Ausschreibungen wird zunehmend EI verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen Brandschutzwand und Brandwand?
Eine Brandwand nach § 30 MBO muss feuerbeständig UND mechanisch widerstandsfähig sein (Klassifizierung F90-A+M bzw. REI 90-M) – sie muss standhalten, wenn im Brandfall Bauteile dagegen stürzen. In Trockenbauweise wird das mit zusätzlicher Stahlblecheinlage (0,5–1 mm) zwischen den Plattenlagen erreicht. Eine normale F90-Trennwand ist keine Brandwand.
Was kostet eine F90-Brandschutzwand im Trockenbau?
Material: 35–60 €/m². Montage inkl. Material: 80–130 €/m². Die höheren Kosten gegenüber Standardwänden (40–60 €/m² montiert) entstehen durch dickere Beplankung und Feuerschutzplatten (GKF). Eine 10 m² große F90-Wand kostet somit 800–1.300 € fertig montiert. Brandwände mit Stahlblecheinlage liegen bei 130–200 €/m².
Kann ich eine Brandschutzwand selbst bauen?
Technisch möglich, rechtlich heikel: Brandschutzwände müssen exakt nach Systemzulassung (abP/abZ) des Herstellers aufgebaut werden – falsche Schrauben, falsche Abstände oder fehlende Mineralwolle machen den Nachweis wertlos und sind ein erhebliches Haftungsrisiko. Bei baurechtlich geforderten Wänden verlangt die Abnahme in der Regel eine Fachunternehmererklärung.
Welche Platten werden für Brandschutzwände verwendet?
GKF-Platten (Gipskarton-Feuerschutz, DIN 18180 Typ DF, rosa markiert) oder GKFi (imprägniert + Feuerschutz) – bzw. nach EN 520 Platten der Typen DF/DFH2. Für F90/EI90 und höher kommen oft Spezialbrandschutzplatten oder Gipsfaserplatten zum Einsatz. Normale GKB-Platten (Typ A, grau) sind nicht zulässig.
Wo sind Brandschutzwände im Trockenbau Pflicht?
Wohnungstrennwände in Mehrfamilienhäusern (F90/EI90), Treppenraumwände, Wände von Heizungsräumen, Aufzugsschächte, Flurwände notwendiger Flure (F30/EI30) und Trennwände zu anders genutzten Einheiten. Die genauen Anforderungen ergeben sich aus der jeweiligen Landesbauordnung und der Gebäudeklasse.
Was passiert bei Durchdringungen (Kabel, Rohre)?
Jede Durchdringung muss mit zugelassener Abschottung versehen werden – Brandschutzmasse, Manschetten oder Weichschott. Offene Durchführungen sind der häufigste Mangel bei Brandschutzbegehungen: Eine einzige offene Kabeldurchführung kann die gesamte F90-Wand wirkungslos machen.
Dürfen Steckdosen in eine Brandschutzwand eingebaut werden?
Nur mit geprüften Lösungen: spezielle Brandschutz-Hohlwanddosen, hinterfütterte Dosen oder versetzt angeordnete Dosen (nicht Rücken an Rücken im selben Gefach). Gegenüberliegende Dosen müssen je nach System mindestens ein Ständerfach versetzt sitzen.

Relevante Gewerke

Brandschutzwand Trockenbau: F30–F120 / EI30–EI120, Aufbau & Kosten | Lexikon | Clean Invoice