Brandschutzwand (Trockenbau)
Brandschutzwand (Trockenbau) – Trockenbau-Wand mit geprüfter Feuerwiderstandsdauer zum baulichen Brandschutz – von F30/EI30 bis F120/EI120, errichtet nach Systemzulassung
Was ist eine Brandschutzwand im Trockenbau?
Eine Brandschutzwand im Trockenbau ist eine Wand aus Metallständerwerk und speziellen Feuerschutz-PROTECTED_1, die einem Brand für eine geprüfte Zeit standhält. Sie ist leichter und schneller errichtet als eine Massivwand und erreicht bei korrekter, systemtreuer Ausführung dieselben Schutzziele.
Wichtig für Planung und Abrechnung: „Brandschutzwand" ist der Oberbegriff für Wände mit Feuerwiderstand. Davon zu unterscheiden ist die Brandwand im baurechtlichen Sinn (§ 30 Musterbauordnung) – dazu unten mehr.
Feuerwiderstandsklassen: F (DIN 4102) und EI (EN 13501-2)
In Deutschland laufen zwei Klassifizierungssysteme parallel – die alte nationale DIN 4102-2 (F-Klassen) und die europäische DIN EN 13501-2 (Leistungskriterien R/E/I):
| Kriterium | Bedeutung |
|---|---|
| R (Résistance) | Tragfähigkeit unter Brand |
| E (Étanchéité) | Raumabschluss – kein Durchtritt von Flammen/heißen Gasen |
| I (Isolation) | Wärmedämmung – Temperaturanstieg auf der Rückseite begrenzt (Ø ≤ 140 K) |
| DIN 4102 | EN 13501-2 (nichttragend) | Bauaufsichtliche Benennung |
|---|---|---|
| F30 | EI 30 | feuerhemmend |
| F60 | EI 60 | hochfeuerhemmend |
| F90 | EI 90 | feuerbeständig |
| F120 | EI 120 | feuerbeständig (erhöht) |
| F90-A+M | EI 90-M (REI 90-M tragend) | Brandwand |
Die EN-Klassifizierung kennt zudem mehr Zeitstufen (15/20/30/45/60/90/120/180/240 Minuten). Neue Systemnachweise der Hersteller werden überwiegend nach EN 13501-2 klassifiziert – in Ausschreibungen tauchen daher zunehmend EI-Klassen auf, während die Landesbauordnungen mit den Begriffen „feuerhemmend/feuerbeständig" arbeiten. Eine Übersicht der Normen bietet BauNetz Wissen Brandschutz.
Brandschutzwand vs. Brandwand: der entscheidende Unterschied
| Merkmal | F90/EI90-Trennwand | Brandwand (F90-A+M / EI 90-M) |
|---|---|---|
| Feuerwiderstand | 90 Minuten | 90 Minuten |
| Baustoffe | A oder B (je nach System) | Nur nichtbrennbar (Klasse A) |
| Stoßbeanspruchung (M) | Nicht gefordert | Muss 3 × 3.000 Nm Pendelstoß überstehen |
| Trockenbau-Ausführung | Standard-Systemwand | Systemwand mit Stahlblecheinlage (0,5–1 mm) zwischen den Plattenlagen, meist 3-lagig |
| Einsatz | Wohnungstrennwand, Flurwand | Gebäudeabschluss, Brandabschnitte (alle 40 m), Grenzbebauung |
| Rechtsgrundlage | LBO/MBO §§ 27–29 | MBO § 30 |
Nichttragende innere Brandwände dürfen in Trockenbauweise ausgeführt werden – die Systeme der Hersteller (z. B. mit durchgehender Stahlblecheinlage) sind dafür geprüft. Die Anforderungen stehen in der Musterbauordnung (MBO) und der jeweiligen Landesbauordnung.
Wo sind Brandschutzwände Pflicht?
| Bereich | Typische Anforderung | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Wohnungstrennwand (MFH) | F90 / EI 90 | LBO (§ 29 MBO) |
| Treppenraumwand | F90 / EI 90 (GK 4–5: Bauart Brandwand) | LBO (§ 35 MBO) |
| Notwendiger Flur | F30 / EI 30 | LBO (§ 36 MBO) |
| Heizungsraum | F90 / EI 90 | Feuerungsverordnung |
| Aufzugsschacht | F90 / EI 90 | LBO (§ 39 MBO) |
| Kellertrennwand (MFH) | F90 / EI 90 | LBO |
| Installationsschacht | F90 / I90-Schachtwand | LBO / MLAR |
| Gebäudeabschluss/Brandabschnitt | Brandwand (F90-A+M) | § 30 MBO |
Die konkrete Anforderung hängt von der Gebäudeklasse (GK 1–5) ab: Je höher das Gebäude und je mehr Nutzungseinheiten, desto strenger. Verbindlich ist immer der Brandschutznachweis des Objekts – nicht die Tabelle aus dem Internet.
Systemaufbauten im Detail
| Klasse | Typischer Aufbau (Beispiel) | Wanddicke | Gewicht/m² |
|---|---|---|---|
| F30 / EI 30 | 1× GKF 12,5 je Seite + CW 50 | ca. 7,5–10 cm | ca. 25 kg |
| F60 / EI 60 | 2× GKF 12,5 je Seite + CW 75 | ca. 12,5–15 cm | ca. 45 kg |
| F90 / EI 90 | 2× GKF 12,5–15 je Seite + CW 100 + Mineralwolle | ca. 15–18 cm | ca. 55 kg |
| F120 / EI 120 | 3-lagig oder Spezialplatten | ca. 18–22 cm | ca. 70 kg |
| Brandwand EI 90-M | 3× Platte je Seite + Stahlblech 0,5 mm zwischen den Lagen | ca. 20–25 cm | ca. 90 kg |
GKF = Gipskarton-Feuerschutzplatte (DIN 18180 Typ DF, rosa) · CW = C-Wandprofil · Aufbauten sind Beispielwerte – verbindlich ist ausschließlich der geprüfte Systemaufbau des Herstellers (z. B. Knauf W11-Reihe, Rigips, Siniat, Fermacell mit Gipsfaserplatten).
Nachweise: abP, abZ und Systemtreue
Brandschutzwände sind geregelte Bauarten mit Verwendbarkeitsnachweis:
- abP (allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis) – üblich für nichttragende Trennwände
- abZ/aBG (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung/Bauartgenehmigung) – bei Sonderkonstruktionen
- Fachunternehmererklärung – bestätigt die zulassungskonforme Ausführung gegenüber Bauherr/Behörde
Systemtreue ist Pflicht: Platten, Profile, Schrauben, Dämmung und Spachtel müssen dem geprüften System entsprechen. Wer Komponenten mischt („Platten von A, Profile von B"), verliert den Nachweis – und haftet im Schadensfall persönlich. Die Systemnachweise stellen die Hersteller online bereit (z. B. Knauf Brandschutz, Rigips Brandschutz).
Aufbau Schritt für Schritt (F90/EI90)
| Schritt | Ausführung | Kritischer Punkt |
|---|---|---|
| 1. UW-Profile setzen | Boden + Decke, mit Dichtband | Lückenloses Anschluss-Dichtband |
| 2. CW-Profile stellen | Achsabstand max. 62,5 cm | Exakter Achsabstand nach System |
| 3. 1. Lage GKF Seite A | Versetzt schrauben | Schnellbauschrauben, Abstand ≤ 25 cm |
| 4. PROTECTED_8 einlegen | Vollflächig, Rohdichte/Schmelzpunkt nach System | A1, Schmelzpunkt ≥ 1.000 °C – kein EPS! |
| 5. 1. Lage GKF Seite B | Gegenüberliegend | Fugenversatz zur Seite A |
| 6. 2. Lage GKF beide Seiten | Versetzt zur 1. Lage | Fugenversatz ≥ 40 cm, Kreuzfugen vermeiden |
| 7. Fugen spachteln | Auch die untere Lage! | Vollfugig, nach Systemvorgabe |
| 8. Anschlüsse abdichten | Brandschutz-Acryl/Spachtel | Wand/Decke/Boden lückenlos |
| 9. Durchdringungen abschotten | Zugelassene Schotts | Jede einzelne Durchführung |
| 10. Dokumentieren | Fotos + Fachunternehmererklärung | Für Abnahme und Haftung |
Deckenanschluss: das unterschätzte Detail
Bei Rohdecken mit Durchbiegung braucht die Wand einen gleitenden Deckenanschluss, der Bewegungen aufnimmt, ohne den Raumabschluss zu verlieren – sonst reißen die oberen Fugen oder die Wand wird durch Deckenlast gestaucht. Hohe Wände (> 3 m je nach System) erfordern verstärkte Profile oder geringere Achsabstände – Werte stehen im Systemnachweis.
Türen, Verglasungen, Installationen
| Einbau | Anforderung | Hinweis |
|---|---|---|
| Türen | T30/T90- bzw. EI₂30-C/EI₂90-C-Türelemente | Zulassung muss Einbau in leichte Trennwand abdecken |
| Verglasungen | F-/EI-Verglasung oder G-Verglasung | Nur als geprüftes Element mit Rahmen |
| Steckdosen | Brandschutzdosen oder Hinterfütterung | Nie Rücken an Rücken im selben Gefach |
| Kabel/Rohre | Zugelassene Abschottung | Mischinstallationen nur mit Kombischott |
| Lasten | Konsolen/Traversen nach System | Waschbecken & Co. nur mit geprüfter Befestigung |
Trockenbau vs. Massivwand im Brandschutz
| Kriterium | [Trockenbau](/lexikon/trockenbau-begriff)-Brandschutzwand | Massivwand (KS/Beton) |
|---|---|---|
| Bauzeit | 1–2 Tage/10 m² | 3–5 Tage/10 m² |
| Gewicht | 25–90 kg/m² | 150–300 kg/m² |
| Statik | Geringe Anforderungen | Ggf. Deckenverstärkung nötig |
| Kosten F90 | 80–130 €/m² | 90–150 €/m² |
| PROTECTED_12 | Rw 50–67 dB (bei Doppelständer) | Rw 50–60 dB |
| Flexibilität | Rückbaubar, Installationen im Hohlraum | Permanent, Schlitze fräsen |
| Brandwand möglich? | Ja, als Systemwand mit Stahlblecheinlage | Ja, klassisch |
Kosten im Vergleich (Richtwerte 2026)
| Klasse | Material/m² | Inkl. Montage/m² | 10 m² Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| Standardwand (kein BS) | 12–20 € | 40–60 € | 400–600 € |
| F30 / EI 30 | 20–35 € | 50–80 € | 500–800 € |
| F60 / EI 60 | 30–45 € | 65–100 € | 650–1.000 € |
| F90 / EI 90 | 35–60 € | 80–130 € | 800–1.300 € |
| F120 / EI 120 | 50–80 € | 100–170 € | 1.000–1.700 € |
| Brandwand (EI 90-M) | 60–100 € | 130–200 € | 1.300–2.000 € |
Material und Mengen (Platten, Profile, Schrauben, Dämmung) für Ihre Wand können Sie mit dem Trockenbau-Rechner kalkulieren.
Häufige Fehler – und ihre Konsequenzen
| Fehler | Folge | Norm/Recht |
|---|---|---|
| Normale Schrauben statt Schnellbauschrauben | Platten lösen sich im Brandfall | Systemnachweis verletzt |
| Leitungsdurchführung nicht abgeschottet | F90 wirkungslos – Rauch/Feuer durchdringt | MLAR / § 40 MBO |
| EPS statt Mineralwolle im Hohlraum | Dämmung schmilzt und brennt | DIN 4102/EN 13501 (Baustoffklasse) |
| Schraubenabstand > 25 cm | Platten klaffen im Brandfall auf | Systemnachweis |
| Fugenversatz fehlt (Lagen übereinander) | Wand versagt vorzeitig | Systemnachweis |
| Untere Plattenlage nicht gespachtelt | Rauchdurchtritt durch Fugen | Systemvorgabe |
| Steckdosen Rücken an Rücken | Schwachstelle im Gefach | Systemvorgabe |
| Komponenten gemischt („Systemmix") | Verwendbarkeitsnachweis erlischt | Bauordnungsrecht |
Meister-Tipp
Tipps für Auftraggeber
- Brandschutznachweis vom Architekten/Planer einfordern – dort steht verbindlich, welche Klasse wo nötig ist
- Fachunternehmererklärung und Systemdokumentation (abP-Nummer!) zur Abnahme verlangen
- Nach Fertigstellung: Begehung aller Durchdringungen – das ist die häufigste Schwachstelle
- Bei Umbauten im Bestand: Brandschutzanforderungen können sich ändern – kein Bestandsschutz bei wesentlichen Eingriffen, vorher Bauamt/Fachplaner fragen
- Trockenbau-Brandschutzwand ist oft günstiger, leichter und schneller als die Massivwand – bei gleichem Schutzziel
Tipps für Handwerker
- Nur nach Systemnachweis bauen – abP/abZ des Herstellers auf die Baustelle, Aufbau exakt einhalten
- Durchdringungen sofort abschotten – „machen wir später" ist der Klassiker vor jedem Mangel
- Fotodokumentation aller Lagen, Anschlüsse und Schotts – Ihr bester Haftungsschutz
- Nur GKF/DF-Platten (rosa) verwenden – niemals GKB (grau); bei Feuchträumen GKFi
- Mineralwolle: A1, Schmelzpunkt ≥ 1.000 °C, Rohdichte nach System – kein Baumarkt-Ersatz
- Bedenkenanzeige stellen, wenn der Auftraggeber Abweichungen vom System verlangt
- Bei Brandwänden (EI 90-M): Stahlblecheinlage und Anschlussdetails exakt nach Hersteller – hier prüft der Sachverständige besonders genau