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Bautechnik & Normen

Armierungsgewebe

ArmierungsgewebeAlkalibeständiges Glasfasergewebe, das in die Armierungsschicht von Putz eingebettet wird, Zugspannungen aufnimmt und so Risse verhindert – Pflicht bei jedem WDVS

2 Min. Lesezeit

Was ist Armierungsgewebe?

Armierungsgewebe (auch Putzgewebe, Glasfasergewebe oder Gewebearmierung) ist ein alkalibeständiges Glasfasernetz, das in eine Schicht Armierungsmörtel eingebettet wird. Es bildet die Armierungsschicht – die entscheidende Bewehrung zwischen Untergrund und Oberputz.

Der physikalische Hintergrund: Putz ist druckfest, aber zugschwach. Beim Trocknen, durch Temperaturwechsel an der Fassade (Sommer: +70 °C auf dunklen Flächen, Winter: −15 °C) und durch Bewegungen des Untergrunds entstehen Zugspannungen, die der Putz allein nicht aufnehmen kann – er reißt. Das Glasfasergewebe übernimmt diese Zugkräfte wie die Stahl-Bewehrung im Beton. Die Alkalibeständigkeit ist dabei Pflicht: Zementhaltige Mörtel sind stark alkalisch und würden unbeschichtetes Glas innerhalb weniger Jahre zersetzen.

Funktion im Überblick

EigenschaftWirkung
Zugfestigkeit (≥ 1.750 N/50 mm neu)Nimmt Spannungen auf, verhindert Rissbildung
RissüberbrückungÜberbrückt Plattenstöße der Dämmung und Haarrisse im Untergrund
SchlagschutzErhöht die mechanische Widerstandsfähigkeit der Fassade
LastverteilungVerteilt punktuelle Spannungen (Dübel, Befestigungen) in die Fläche

Einsatzbereiche: Wo Armierungsgewebe nötig ist

EinsatzortNotwendigkeitBesonderheit
PROTECTED_4-Fassade✅ Immer Pflicht (zulassungsrelevant)Systemtreue beachten
Sockel-/Spritzwasserbereich✅ Pflicht, verstärktPanzergewebe als Zusatzlage
Mischmauerwerk (Altbau)✅ Dringend empfohlenUnterschiedliches Dehnverhalten der Materialien
Risssanierung Altputz✅ StandardmethodeTragfähigkeit vorher prüfen
Fenster-/Türecken✅ Pflicht (Diagonalarmierung)30 × 50 cm Streifen, 45°
Materialwechsel im Untergrund✅ EmpfohlenMind. 20 cm beidseitig überlappen
Elektroschlitze, Installationsfugen✅ EmpfohlenStreifenweise einbetten
Homogener Neubau-Innenputz❌ Meist unnötigNur an kritischen Details
Decken (Plattenstöße, Risse)⚠️ Bei BedarfLeichtes Gewebe, dünn überspachteln

Abgrenzung: Für [Estrich](/lexikon/estrich-detail) gibt es eigene Estrichgitter aus Stahl bzw. Glasfaser-Estrichbewehrung – Putz-Armierungsgewebe gehört nicht in den Estrich. Bei voll gedämmten Fassaden ist die Armierung Teil des WDVS-Aufbaus, bei monolithischem Mauerwerk wird sie direkt auf den Unterputz gearbeitet.

Typen und Auswahl

TypGewichtMaschenweiteEinsatz
Standardgewebe145–165 g/m²4 × 4 mmWDVS, Fassadenputz, Risssanierung
Verstärktes Gewebe200 g/m²4 × 4 mmErhöhte mechanische Belastung
Panzergewebe330–360 g/m²ca. 6 × 6 mmSockel, stoßgefährdete Flächen (Zusatzlage)
Innengewebe (leicht)70–110 g/m²2–4 mmSpachtelarmierung innen, Decken
Selbstklebendes GitterbandPlattenstöße im Trockenbau (kein Ersatz für Flächenarmierung)
Gewebeeckwinkelmit GewebeschenkelnGebäudekanten, Laibungen
Anputzleisten mit GewebeFenster-/Türanschlüsse

Worauf beim Kauf achten: Alkalibeständigkeit (Beschichtung), Zugfestigkeit nach Alterung (Restfestigkeit ≥ 1.000 N/50 mm), Systemzugehörigkeit beim WDVS. Billiggewebe ohne ausreichende Beschichtung verliert im alkalischen Mörtel binnen Jahren seine Festigkeit – die Risse kommen dann zeitverzögert.

Anleitung außen: Armierung beim WDVS

SchrittAusführungKritischer Punkt
1. Untergrund prüfenDämmplatten eben geschliffen, staubfrei, Dübel versenktSchleifstaub abkehren
2. DiagonalarmierungAn jeder Fenster-/Türecke 30 × 50 cm Gewebestreifen diagonal (45°) einbettenVor der Flächenarmierung!
3. Eckwinkel & AnputzleistenKanten, Laibungen, Anschlüsse mit Gewebewinkeln armierenGewebeschenkel in Mörtel betten
4. Armierungsmörtel auftragen3–5 mm mit Zahnkelle (10er Zahnung) aufziehenNur so viel, wie nass bearbeitbar
5. Gewebe einlegenBahn von oben nach unten abrollen, mit Glätter einbettenFaltenfrei, nicht spannen
6. ÜberlappungMind. 10 cm an allen StößenAuch an Eckwinkel-Geweben
7. ÜberspachtelnNass in nass, Gesamtdicke je nach System ca. 4–6 mmGewebe im oberen Drittel
8. Trocknen lassenMin. 1 Tag pro mm Schichtdicke vor dem OberputzWitterung beachten (5–25 °C)

Die richtige Gewebelage: oberes Drittel

Das Gewebe gehört nicht auf den Untergrund, sondern in das obere Drittel der Armierungsschicht:

Oberputz
─────────────────────
≈ 1–2 mm Mörtel       ← Deckung
━━━━ GEWEBE ━━━━      ← oberes Drittel
≈ 3–4 mm Mörtel
─────────────────────
Dämmung / Untergrund

Begründung: Die Zugspannungen entstehen an der Oberfläche (Temperatur, Schwinden). Liegt das Gewebe zu tief, kann es diese Spannungen nicht aufnehmen. Der klassische Pfusch – Gewebe an die Dämmung tackern und überputzen – ist statisch wertlos und ein Mangel.

Anleitung innen: Risssanierung auf Altputz

  1. Tragfähigkeit prüfen: Klopfprobe (Hohlstellen?), Kratzprobe, ggf. Haftzugprüfung. Lose Stellen abschlagen und mit PROTECTED_9
  2. Untergrund vorbereiten: Reinigen, saugende Untergründe mit PROTECTED_10, glatte/dichte mit Haftgrundierung behandeln (PROTECTED_11 nach Untergrund wählen)
  3. Risse aufweiten: Statische Einzelrisse > 0,2 mm V-förmig öffnen und verfüllen
  4. Armierungsspachtel auftragen: 3–4 mm vollflächig
  5. Gewebe einbetten: Leichtes Innengewebe (110–160 g/m²), 10 cm Überlappung
  6. Überspachteln & glätten: Q2–Q3 je nach gewünschter Oberfläche (PROTECTED_12)
  7. Endbeschichtung: Nach Durchtrocknung streichen, tapezieren oder dünnlagig verputzen

Hinweis zu dynamischen Rissen: Arbeitet der Riss (Setzung, statische Ursache), hilft auch Gewebe nur begrenzt – erst die Ursache klären, sonst reißt es neben der armierten Zone erneut.

Kritische Stellen im Detail

StelleMaßnahme
Fenster-/TüreckenDiagonalstreifen 30 × 50 cm, zusätzlich zur Flächenarmierung
GebäudekantenGewebeeckwinkel, Flächengewebe bis an die Kante führen
PROTECTED_13/erdberührtPanzergewebe als 1. Lage (stoßen, nicht überlappen), Standardgewebe als 2. Lage darüber
Plattenstöße der DämmungFlächenarmierung überbrückt – Stöße dürfen nie mit Gewebestoß zusammenfallen
PROTECTED_14-SchürzeZusätzlicher Gewebestreifen, Übergang entkoppeln
Materialwechsel (z. B. Beton/PROTECTED_15)Gewebestreifen min. 20 cm je Seite
Anschluss Fensterbank/AttikaAnputzleisten mit Gewebeschürze, PROTECTED_16 für Bewegungsfugen

Kosten Richtwerte 2026

PositionPreis
Armierungsgewebe 160 g/m²1,50–3,00 €/m²
Innengewebe leicht (110 g/m²)1,00–2,00 €/m²
Panzergewebe 330 g/m²4–7 €/m²
Gewebeeckwinkel1,50–3 €/lfm
Armierungsmörtel (4–6 mm)5–10 €/m²
Komplette Armierungsschicht (Material + Lohn)15–25 €/m²
Sockelzone mit Panzergewebe20–35 €/m²

Materialmengen für Putz und Spachtel können Sie mit dem PROTECTED_17 überschlagen; die Fassadenfläche liefert der PROTECTED_18.

Die 7 häufigsten Fehler

FehlerFolgeVermeidung
Gewebe auf Untergrund getackert und überputztArmierung wirkungslos, RisseImmer in frischen Mörtel einbetten
Gewebe liegt zu tief (unteres Drittel)Risse trotz ArmierungOberes Drittel – erst Mörtel, dann Gewebe, dann Deckschicht
Überlappung < 10 cmRisse an jeder Nahtstelle10 cm Mindestüberlappung markieren
Diagonalarmierung vergessenRisse ab Fensterecke (45°-Riss)An jeder Öffnungsecke 30 × 50 cm diagonal
Deckschicht zu dünnGewebe zeichnet sich ab≥ 1 mm Mörteldeckung, zweite Spachtellage
Falten / unter Spannung verlegtAbzeichnungen, HohllagenBahnen spannungsfrei einlegen
Fremdgewebe im WDVSZulassung & Gewährleistung wegNur Systemkomponenten verwenden (PROTECTED_19 regelt die WDVS-Verarbeitung)
👷‍♂️

Meister-Tipp

Der Klassiker auf der Baustelle: Es ist 16 Uhr, der Mörtel wird knapp, und plötzlich wird das Gewebe „trocken eingelegt" und nur noch dünn überzogen. Zwei Winter später stehen die Risse exakt im Bahnenraster. Mein Grundsatz: Armierung ist keine Fleißarbeit, sondern Statik im Millimeterbereich – Mörtel satt vorlegen, Gewebe mit dem Glätter einarbeiten, bis es komplett verschwindet, und die Deckung nass in nass aufziehen. Und an Fensterecken niemals die Diagonalstreifen sparen, die kosten 2 Minuten pro Ecke.

Abgrenzung zu ähnlichen Produkten

ProduktFunktionErsetzt Armierungsgewebe?
Malervlies/RenoviervliesKaschiert Haarrisse unter Anstrich/Tapete❌ Keine statische Wirkung
PROTECTED_20Dekorative, robuste Wandbekleidung
PROTECTED_21 (Ziegelgewebe, Streckmetall)Putzgrund auf nicht putzfähigen Untergründen❌ Anderer Zweck (Haftung statt Zugkraft)
EstrichgitterBewehrung im Estrich❌ Eigenes Produkt
Fugendeckstreifen (Trockenbau)Stöße von Gipsplatten❌ Nur Fugenarmierung (Rigips spachteln)

Tipps vom Profi

  1. Bahnen vorab zuschneiden und faltenfrei gerollt bereitlegen – eingebettet wird zügig, nass in nass
  2. Diagonalstreifen zuerst – wer sie nach der Fläche einbauen will, baut sie nie ein
  3. Sockel doppelt denken: Panzergewebe stoßen (nicht überlappen), Standardgewebe darüber regulär überlappen
  4. Systemtreue beim WDVS: Gewebe, Kleber, Dübel und Putz aus einem System – bei Mischmontage erlischt die Zulassung
  5. Witterung außen: 5–25 °C, keine direkte Sonne, frische Armierung vor Regen schützen (Gerüst-Plane)
  6. Qualität prüfen: Etikett auf Alkalibeständigkeit und g/m² kontrollieren – anonymes Billiggewebe meiden
🎨
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Häufige Fragen zu Armierungsgewebe

Wo muss das Armierungsgewebe in der Putzschicht liegen?
Im oberen Drittel der Armierungsschicht, also näher an der Oberfläche als am Untergrund. Nur dort kann es die Zugspannungen aufnehmen, die beim Trocknen und durch Temperaturwechsel an der Oberfläche entstehen. Liegt das Gewebe direkt auf dem Untergrund („getackert und überputzt"), ist es praktisch wirkungslos.
Wie viel müssen sich die Gewebebahnen überlappen?
Mindestens 10 cm an allen Stößen. An Gebäudekanten wird das Gewebe um die Ecke geführt oder mit Gewebeeckwinkeln gearbeitet. Ohne ausreichende Überlappung entstehen an den Nahtstellen fast immer Risse.
Kann man Armierungsgewebe auf alten Putz aufbringen?
Ja – das ist die Standardmethode bei der Risssanierung. Voraussetzung: Der Altputz ist tragfähig (Klopfprobe, Gitterritzprobe), gereinigt und grundiert. Dann 3–5 mm Armierungsmörtel auftragen, Gewebe einbetten, überspachteln und nach Trocknung den neuen Oberputz aufziehen. Lose Altputzstellen müssen vorher abgeschlagen werden.
Braucht man Armierungsgewebe auch beim Innenputz?
Nicht flächig, aber an kritischen Stellen: bei Materialwechsel im Untergrund (z. B. Mauerwerk auf Beton), über Schlitzen mit Elektroleitungen, an Tür- und Fensterecken (Diagonalarmierung) und auf rissigen Altputzen. Bei Mischmauerwerk im Altbau empfiehlt sich die vollflächige Armierung.
Welche Maschenweite und welches Gewicht sind richtig?
Standard für WDVS und Fassadenputz ist 4 × 4 mm Maschenweite bei 160 g/m². Im Sockel- und Spritzwasserbereich sowie an stoßgefährdeten Flächen (Schulhöfe, Garagenzufahrten) kommt zusätzlich Panzergewebe mit ca. 330 g/m² als erste Lage darunter.
Warum zeichnet sich das Gewebe nach dem Spachteln ab?
Dann liegt es zu nah an der Oberfläche oder die Deckschicht ist zu dünn. Über dem Gewebe muss mindestens 1 mm (besser 1,5–2 mm) Mörtel liegen. Lösung: nach dem Anziehen eine zweite dünne Spachtellage „nass in nass" bzw. nach Trocknung aufziehen und planeben abziehen.
Ist Armierungsgewebe bei jedem WDVS Pflicht?
Ja. Die Armierungsschicht aus Mörtel und Gewebe ist zulassungsrelevanter Bestandteil jedes Wärmedämmverbundsystems. Wichtig: Innerhalb des Systems bleiben – Gewebe, Kleber und Putz müssen vom selben Systemhersteller stammen, sonst erlischt die Zulassung (abZ/ETA) und damit oft die Gewährleistung.
Was kostet Armierungsgewebe inklusive Verarbeitung?
Das Gewebe selbst kostet 1,50–3 €/m² (Standard 160 g/m²), Panzergewebe 4–7 €/m². Inklusive Armierungsmörtel und Lohn liegt die komplette Armierungsschicht bei 15–25 €/m², im Sockelbereich mit Panzergewebe bei 20–35 €/m².

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